Ugrás a tartalomhozUgrás a fő navigációhoz Ugrás a lábléchez

„Es ist wie ein Nach-Hause-Kommen“

Stiffoller feiern am Hessentag ihre Rückkehr in die Ur-Heimat

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

FULDA – Ein Stück Fuldaer Heimatgeschichte ist am Samstag beim Hessentag lebendig geworden: Die Stiffoller, Nachfahren deutscher Auswanderer aus dem Hochstift Fulda, begeisterten mit Musik, Gesang und traditionellen Tänzen – und zeigten, wie stark ihre Verbindung zur alten Heimat bis heute ist.

Es war einer der besonderen Auftritte während dieses Hessentags – vor allem natürlich für die Stiffoller selbst. „Es ist wie ein Nach-Hause-Kommen“, sagte Zoltan Schmidt in perfektem Deutsch. Für den Leiter des Regionalbüros des Komitats Baranya in Ungarn war der Besuch beim Hessentag weit mehr als ein folkloristischer Auftritt: Es war eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

„Für uns bedeutet das emotional eine ganz große Sache“, erklärte Schmidt. „Unsere Ur-Ur-Ur-Großeltern sind vor 300 Jahren aus dem Hochstift Fulda – aus Weyhers, Schmalnau oder Ransbach – fortgegangen. Wir wissen und erinnern uns bis heute, woher wir stammen.“

Mit einer großen Delegation waren die Stiffoller nun wieder in ihre „Ur-Heimat“ gereist – mit Chor, Musikkapelle und Tanzgruppe. Und sie brachten ein beeindruckendes Stück ihrer lebendigen Kultur mit. Viele Hessentags-Besucher blieben stehen, als die Gruppen auf dem Universitätsplatz auftraten.

Die farbenfrohen Trachten zogen die Blicke auf sich: Die Frauen trugen lange blaue Röcke und auffällige Schultertücher mit Fransen in kräftigem Pink und Blau. Die Männer präsentierten sich in traditionell eleganten weißen Hemden und Westen.

Dazu erklangen echte deutsche Heimatlieder – etwa „Schön ist die Jugendzeit“. Das deutsche Liedgut hat sich in Ungarn über Jahrhunderte erhalten. Auch traditionelle Tänze gehören zum kulturellen Schatz der Volksgruppe. Das zeigte unter anderem die Tanzgruppe „Fekeder Klumpenjäger“ – benannt nach den früher typischen Holzschuhen. Getanzt wurde darin allerdings nicht: Für die schwungvollen Darbietungen trugen die Tänzer bequemeres Schuhwerk. Die gezeigten Tänze erinnerten an die Kirmestänze, wie man sie auch aus dem Fuldaer Land kennt.

Für viele Stiffoller war der Besuch in Fulda eine besondere Begegnung. Bereits 2019 waren Gruppen beim Stadtfest zu Gast gewesen, berichtete Schmidt. Damals habe es für viele ein regelrechtes „Aha-Erlebnis“ gegeben: „Wir sprechen alle die gleiche Sprache“, sagte er schmunzelnd – um gleich hinzuzufügen: „Mit dem Aha-Erlebnis meine ich nicht das Getränk.“

Schmidt selbst kennt die Region gut. Er studierte in Tübingen und Leipzig und war bereits oft in Fulda und Umgebung. „Es ist wirklich immer schön, heimzukommen“, sagte er.

Dass die Verbindung zur alten Heimat bis heute spürbar ist, zeigt sich auch an der Sprache. „Wir reden so wie ihr – nicht so hochdeutsch, sondern platt“, erklärte Schmidt dem Publikum. Die Stiffoller pflegen ihre deutsche Mundart bis heute und geben sie an die nächsten Generationen weiter.

Die Volksgruppe lebt heute in 40 Dörfern in Ungarn und zählt etwa 50.000 Menschen. Sie bewahrt Sprache, Lieder und Bräuche der alten Heimat und damit ein Stück Fuldaer Geschichte. Besonders dankte Schmidt dem Stiffoller Freundeskreis, der dem Geschichtsverein Fulda angegliedert ist und sich seit Jahren für die ungarisch-deutsche Freundschaft engagiert.

Die Stiffoller waren bereits am Freitag angereist und hatten in Rasdorf und Geisa Quartier bezogen. Nach den beiden Auftritten beim Hessentag stand das gemeinsame Miteinander im Mittelpunkt: Im DGH in Wiesen hatten Ungarn, Fuldaer und Rhöner bei Kaffee und Kuchen zusammengefunden. Am Abend wurde eine Vorabendmesse mit ungarischer Beteiligung gefeiert, bevor beim deutsch-ungarischen Gemeinschaftsabend regionale Spezialitäten, Musik und Tänze aus der Rhön und aus Feked auf dem Programm standen.

Auch am Sonntag waren die Stiffoller noch einmal Teil des Hessentagsgeschehens: Sie beteiligten sich am großen Festzug.